Was Selbstverletzung wirklich bewirkt
Als achtzehn Studien zusammengenommen wurden und man die Menschen selbst fragte, wozu, stand eine Antwort an erster Stelle: um ein unerträgliches Gefühl leiser zu machen. An zweiter: sich selbst zu bestrafen. „Damit man mich bemerkt“ landete weit unten und wurde selten gewählt.
Es gibt eine noch genauere Studie: 51 Frauen, zwei Wochen, mehrere Befragungen am Tag, dreieinhalbtausend Messungen. Es zeigte sich, dass es fast immer mit etwas zwischen Menschen anfängt – ein Streit, eine Absage, Schweigen als Antwort.
Und das Wichtigste, was man dort sah: Danach wurden die Beziehungen weder besser noch schlechter. Andere Menschen lösen es also aus – aber andere Menschen belohnen es nicht. Die landläufige Theorie, es gehe „um Aufmerksamkeit“, schaut in die falsche Richtung.
Das macht es nicht sicher und rechtfertigt es nicht. Aber es erklärt, warum Scham hier nichts heilt: Es geht um ein unerträgliches Gefühl, nicht um Publikum.