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Wenn jemand sagt: vielleicht ist es gar nicht bipolar

Die Diagnose ist hier nicht mit einem Test und nicht nach einem Termin abgeschlossen — sie wird über Jahre genauer. In einer großen Befragung von Menschen mit bipolarer Störung in Großbritannien (2.458 Antworten, die Leute meldeten sich selbst) lagen zwischen dem ersten Gespräch darüber in der Praxis und der Diagnose im Mittel neuneinhalb Jahre. „Vielleicht ist es doch etwas anderes“ ist also keine Panne. So sieht dieser Weg bei fast allen aus.

Fragebögen entscheiden das nicht. In einer Studie mit 98 Menschen, die im verbreitetsten Fragebogen zur bipolaren Störung positiv herauskamen, hatten 23,5 Prozent eine bipolare Störung und 27,6 Prozent eine Borderline-Persönlichkeitsstörung. So ein Ergebnis benennt für sich genommen weder das eine noch das andere.

Diese App macht daraus mit Absicht keine Funktion. Versuche, einer Maschine aus solchen Daten beizubringen, das eine vom anderen zu trennen, bleiben bei etwa 58 Prozent stehen — ein wenig besser als eine Münze. Deshalb gibt es hier keinen Test und kein „das sieht eher aus wie …“, und es wird auch keinen geben: sich in dieser Frage zu irren, kostet einen Menschen Lebensjahre.

Eine Zweitmeinung ist keine Beschwerde über die Ärztin und keine Suche nach jemandem, der etwas Angenehmeres sagt. Sie ist ein gewöhnlicher Teil des Weges. Am meisten zählt dabei nicht das Erzählen aus dem Gedächtnis, sondern das Aufgeschriebene: wann was anfing, wie lange es dauerte, wie der Schlaf damals war, was die Medikamente machten und wie schnell, was Menschen daneben bemerkten. Genau das druckt der Bericht in dieser App — er kann mitkommen, damit im Termin nichts von null an zusammengesucht werden muss.

Und zwei Dinge auf einmal, weil sie zusammen ehrlicher sind als jedes für sich. Eine geänderte Diagnose ist keine Herabstufung und kein „all die Jahre waren ein Irrtum“: es ist dieselbe Geschichte, genauer gelesen. Und eine geänderte Diagnose ist auch nicht automatisch die richtige — auch sie wird weiter genauer. Eine Liste von Merkmalen, an denen sich „das eine vom anderen unterscheidet“, gibt es hier mit Absicht nicht: im Leben überschneiden sie sich so stark, dass so eine Liste öfter Sicherheit hinzufügt als Genauigkeit.

Behalt das bei dir

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